Die Sparsamkeit trägt einen Namen

13. März 2012 - 7 Kommentare

Rezept: Gaisburger Marsch

Gaisburger Marsch. Weiter geht’s mit der Wiederverwertung von übrigem Siedfleisch. Wie bereits erwähnt bin ich stets auf der Suche nach Rezepten, mit denen Siedfleisch verwertet werden kann, das bei der Herstellung von Brühe übrig bleibt und zu schade ist, weggeworfen zu werden.

Ich hatte bereits sowas wie Ragout Fin im Sinn, doch das war mir dann doch etwas zu kalorienreich. So war ich daraufhin verzweifelt auf der Suche nach einem anderen “leiteren” Gericht.

Man sieht ja den Wald vor lauter Bäumen nicht. Glaubt ihr ich wäre auf Gaisburger Marsch gekommen? Erst als ich die anderen Zutaten in der Speisekammer der Reihe nach durchging und überlegte, wie ich diese mit dem übrigen Fleisch verbinden könnte, fuhr es mir in den Kopf wie ein Blitz. Ich sah die manifestierte Sparsamkeit bereits förmlich auf meinem Teller. Das Gericht, welches man als kleines Kind bei der Oma, neben Brotsuppe und “Saure Bria” zu hauf gegessen hat, kam mir wieder in den Sinn.

Heute wollen die Leute ja nur noch Dinge die zwar schnell fertig sind und satt machen, aber aus Resten darf es nicht bestehen. Das muss schon frisch sein. Kein Wunder, dass bei der, heute heiß diskutierten, Studie herauskam, jeder Deutsche würde pro Jahr über 80 Kg Lebensmittel in den Müll werfen. Früher waren die Leute irgendwie kreativer und vorallem – nicht so verwöhnt. Ich weiß noch ganz genau, wie es bei meinen Großeltern war. Da stand ein Eimer in der Küche. In den kamen alle kompostierbaren Sachen, wie Eierschalen, Salatblätter, Kartoffelschalen usw. Natürlich nur das, was wirklich garnicht mehr verwertbar ist. Dieser Saukübel wurde dann, wie der Name schon sagt, an die Schweine verfüttert. Die freuten sich. Fleischreste waren für die Katzen eine wahre Delikatesse. Bio Müll kannte man damals nicht. Heute wandern dort deutschlandweit mehr als 11 Millionen Tonnen hinein und die Lebensmittelindustrie verdient sich dumm und dämlich mit Fertigprodukten. Was ich aber am schlimmsten finde ist, dass viele Kinder nicht mehr lernen, mit Lebensmitteln umzugehen und wie gut selbstgemachtes Essen schmeckt, weshalb ich die Befürchtung habe, dass die Generationen nach uns eine noch krassere Wegwerfgesellschaft antreiben.

Nun gut, genug aufgeregt. Zurück zum Gaisburger Marsch. Was ich an diesem Gericht ebenfalls toll finde – man kann es gut vorkochen und am nächsten Tag erst verspeisen. So mach ich es auch heute. Morgen nehm ich mir was davon mit in die Arbeit. Der Rest wird eingefroren, falls Corinna noch was übrig lässt :-)

Das Allerbeste ist jedoch, dass ich so langsam die letzten Überreste der gekauften Spätzle verwertet bekomme, sodass sich diese bald nicht mehr im Schrank neben den Barilla und DeCecco Nudeln tummeln.

Karotten hab ich auch noch irgendwie zu genüge in der Speisekammer liegen, die so langsam mal weg sollten.

Etwas blöd ist bei diesem Gericht, dass etwas von der Brühe dafür verwendet werden muss, die ja eigentlich für ganz andere Dinge hergestellt wurde. Naja, diesesmal lassen wir diesen Selbstzweck gerade noch durchgehen :-)

Zutaten

4 Karotten
5 Kartoffeln, besser festkochende
ca. 600 g Siedfleisch
1 L Brühe
Wasser
Petersilie (kann auch getrocknet sein)
Salz, Pfeffer
Spätzle

Zubereitung

Karotten, Kartoffel, Siedfleisch würfeln und in einen großen Topf geben.

Siedfleisch, Karotten und Kartoffeln gewürfelt

Petersilie und Brühe dazugeben und mit Wasser auffüllen, sodass alles bedeckt ist.

selbstgemachte Brühe

Nun bei geschlossenem Deckel ca. 30 Minuten köcheln lassen. Spätzle dazugeben und weiterköcheln lassen. Nach ca. 10 Minuten die Spätzle probieren. Wenn diese noch etwas bissfest sind, den Gaisburger Marsch mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Nach Belieben können noch Röstzwiebeln dazugegeben werden.

Sparsamkeitstest: Sehr gut!!!

Gaisburger Marsch

Gaisburger Marsch, 5.0 out of 5 based on 4 ratings

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7 Kommentare

  • Den besten Gaisburger Masch hatte ich vor langer Zeit in Hohenlohe vorgesezt bekommen. Der hätte jedoch den Sparsamkeitstest nicht bestanden.

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  • Lieber Jens,
    das ist DAS Gericht meiner Kindheit. Name: “Kartofffelschnitz und Spätzlä” (kennst Du den Ausdruck “Ebierä”?); Prädikat: besonders wertvoll, weil immer lecker und nur aus den besten Zutaten bereitet.
    Meine Leuts zu Hause lieben das Gericht, und wenn es das gibt, dann immer in rauen Mengen. Dann reichts aber auch wieder für eine ganze gute Weile.
    Herzlichst (und in der Hoffnung, dass die eigenen Kinder einmal bewußt mit Lebensmittel umgehen werden),
    Tanja

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    • Liebe Tanja,

      den Begriff “Ebierä” kenn ich leider nicht. Aber vielleicht wird er bei uns einfach etwas anders geschrieben. Oder du meinst “Krombiera”, denn wir würden “Krombieraschnitz mit Spätzle” sagen :-) Aber du weißt ja: Fünf Kilometer entfernt im Nachbardorf haben sie bereits wieder andere Begriffe.

      Lecker sind auch “Saure Kartoffelrädle”, die Variante der “Saure Bria” ohne Fleisch.

      Also meine Kinder werden gewiss lernen, was gutes Essen ist und vorallem wo es her kommt. Bei uns gibt es nämlich nicht so viele lila Kühe und auch weniger Chicken Nuggets zum Streicheln.

      Herzliche Grüße,
      Jens

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    • Ich klär Dich mal auf: “Ebierä “sind bei meiner Oma das, was bei Dir “Krumbierä” sind. Der Ausdruck bedeutet “Erdbirnen”. Nach dieser Theorie heißen also Krumbierä “krumme Birnen”, oder……..? *mitderhandanderstirnkratz”

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    • Richtig :-) Und weißt du was das witzige daran ist? Ich war im Kroatienurlaub auf dem Markt und wollte Kartoffeln kaufen. Ich zeigte also auf die Kartoffeln, um der Marktfrau zu signalisieren, was ich haben möchte. Da sagt sie tatsächlich “krumpir? dobre dobre”, was so viel heißt wie “Kartoffeln? Sehr gute Wahl”. Da musste ich ihr erstmal mit Händen und Füßen erklären, dass “Krumpir” bei uns auch “Krombier” heißt. Echt verblüffend, wie sich da die Sprachen teilweise über hunderte von Kilometern Entfernung ähneln.

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    • Wobei Kartoffelschnitz und Spätzle dann aber mit Fleischwurst gemacht wird. Statt dem Rindfleisch. Nur der Vollständigkeit halber…

      Gruß Tom

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    • Ich kenn’s halt von der Oma als “Saure Bria”. Da war übriges Siedfleisch, Kartoffeln und Spätzle drin. Die Saure Soße war eigentlich vom Grundsatz dieselbe, wie bei Kutteln. Nur ohne den geilen Kuttelgeschmack ;-)

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